Ein Wintergarten ist für Pflanzen der beste Raum am Haus und gleichzeitig der anspruchsvollste. Er bietet Licht, das kein Innenraum erreicht, aber auch Temperaturen, die im Sommer über 50 Grad steigen und im Winter am Glas gegen null gehen können. Wer ihn als Pflanzenraum plant, entscheidet drei Dinge früh: Temperaturkonzept, Ausrichtung und Lüftung.
Kalt, mittel oder warm: die Grundentscheidung
| Typ | Temperatur im Winter | Nutzung | Pflanzen |
|---|---|---|---|
| Kaltwintergarten | 5 bis 12 Grad | Witterungsschutz, Überwinterung | Mediterrane Kübelpflanzen, Zitrus, Oleander, Olive |
| Mitteltemperiert | 12 bis 18 Grad | Zeitweise nutzbar | Kamelie, Azalee, Zylinderputzer, viele Farne |
| Warmwintergarten | Ab 18 Grad | Ganzjähriger Wohnraum | Tropische Arten, Palmen, Bananen, Orchideen |
Diese Entscheidung ist keine Geschmacksfrage, sondern bestimmt Bauweise, Verglasung, Heizung und die energetischen Anforderungen. Ein beheizter Wintergarten gilt als Wohnraum und fällt unter das Gebäudeenergiegesetz, ein unbeheizter nicht. Wer nachträglich von kalt auf warm wechseln will, baut in aller Regel neu.
Ausrichtung: jede Himmelsrichtung hat ihren Preis
- Süd. Maximaler Lichtgewinn, im Sommer ohne wirksame Verschattung kaum benutzbar. Für sonnenhungrige Kübelpflanzen ideal.
- Ost. Morgensonne, angenehme Temperaturen, gut für empfindliche Arten mit mittlerem Lichtbedarf.
- West. Nachmittags- und Abendsonne, speichert Wärme in den Abend hinein. Aufheizung ist hier größer, als viele erwarten.
- Nord. Konstant, blendfrei, kühl. Für Farne, Moose und schattenverträgliche Arten gut, für Zitrus ungeeignet.
Verschattung und Lüftung entscheiden über den Sommer
Der häufigste Planungsfehler ist, beides zu spät zu bedenken. Ein verglaster Raum ohne Beschattung heizt sich an einem klaren Junitag innerhalb weniger Stunden auf Werte auf, bei denen selbst mediterrane Pflanzen Schaden nehmen.
Außenliegender Sonnenschutz, also Markise, Raffstore oder Lamellendach, ist deutlich wirksamer als innenliegender, weil die Wärme das Glas gar nicht erst passiert. Innenliegende Rollos schützen vor Blendung, aber kaum vor Hitze.
Dazu muss Luft fließen können. Die tragfähige Lösung ist Querlüftung: Zuluft unten an der Seitenwand, Abluft oben im Dach. Warme Luft steigt, zieht kühlere nach, und der Effekt funktioniert ohne Strom. Als Anhalt sollte die Lüftungsfläche mindestens etwa zehn Prozent der Glasfläche betragen. Automatische Fensteröffner mit Temperaturfühler sind hier keine Spielerei, sondern verhindern den einen heißen Tag, an dem niemand zu Hause ist.
Luftfeuchte und Kondenswasser
Pflanzen geben Wasser ab. In einem dicht bepflanzten Wintergarten steigt die Luftfeuchte deutlich, was den Pflanzen guttut und der Konstruktion nicht. Ohne Luftwechsel schlägt sich Feuchtigkeit an der kältesten Fläche nieder, also am Glasrand und an Profilen, und dort entsteht über die Jahre Schimmel.
Wirksam sind regelmäßiger Luftwechsel auch im Winter, ein Bodenaufbau, der Gießwasser abführt statt es stehen zu lassen, und ausreichend Abstand der Pflanzen zur Verglasung. Mehr zum Umgang mit Luftfeuchte bei Zimmerpflanzen steht unter Zimmerpflanzen.
Überwinterung: der eigentliche Nutzen
Für viele ist der Wintergarten in erster Linie ein Überwinterungsraum. Dafür gilt:
- Kühl und hell ist besser als warm und dunkel. Bei 5 bis 10 Grad ruhen die Pflanzen wirklich.
- Sehr sparsam gießen, gerade so, dass der Ballen nicht völlig austrocknet.
- Nicht düngen, solange die Pflanze nicht wächst.
- Vor dem Einräumen auf Schädlinge kontrollieren, siehe Pflanzenschutz.
- Im Frühjahr langsam wieder an Sonne gewöhnen, sonst gibt es Verbrennungen am ersten warmen Tag.
Bepflanzung planen statt sammeln
Ein Wintergarten wirkt am besten mit wenigen großen Pflanzen und einer klaren Struktur statt mit vielen Töpfen unterschiedlicher Größe. Bewährt hat sich eine Staffelung: ein bis zwei Solitäre, die Höhe geben, eine mittlere Ebene aus Kübelpflanzen und eine niedrige Ebene aus Bodendeckern oder Beeteinfassung.
Rollbare Untersetzer für schwere Kübel sind eine kleine Investition mit großer Wirkung, weil Pflanzen im Wintergarten je nach Jahreszeit ihren Platz wechseln. Und ein Wasseranschluss im Raum spart über Jahre erstaunlich viele Wege.
Beratung vor dem Bau
Bauart, Verglasung, statische Anforderungen und der bauordnungsrechtliche Rahmen unterscheiden sich je nach Bundesland und Bauvorhaben erheblich. Wer vor der Entscheidung steht, findet ausführliche Grundlagen zu Bauweisen, Materialien und Kosten bei wintergarten-experte.de.
Wer den Wintergarten hauptsächlich als Gartenraum denkt, findet die passenden Anschlussthemen unter Garten gestalten und Kräuter und Heilpflanzen, denn ein frostfreier heller Raum ist auch für Zitronengras und Kaffir-Limette der entscheidende Faktor.